Interview mit Sven Büngener

Interview mit Sven Büngener

Sven Büngener unterrichtet seit vielen Jahren im arte fact. Gemeinsam mit Thomas Peter leitet er unter anderem die einjährige Grafikklasse, die in diesem Jahr im neuen Format an den Start geht.

In einem Interview gibt er uns einen Einblick in seine Kunst und Unterrichtstätigkeit.

 

Frage: Was interessiert dich in der Malerei? Was sind deine Intentionen, Ideen und auswelchen Quellen schöpfst du deine Bilder?

Ich bin immer schon ein Forscher der Form gewesen. Mit kindlicher Neugier versuche ich immer wieder das Medium selbst, die Malerei und die Zeichnung zu ergründen, für mich selbst zu erweitern. Was ist möglich? Wie kann man es noch machen, welche neuen Kombinationen sind möglich? Ich habe meist keine feste Story, die ich vermitteln will. Meine Bilder dürfen die Fantasie anregen. Was sehe ich? Was für Assoziationen kommen mir. Ein Bild, welches sich mir auf den ersten Blick offenbart, langweilt mich oft. Ich würde gerne Bildwelten schaffen, die ich selbst nicht langweilig finde. Deshalb verstehe ich meine Bilder auch nicht. Der Moment, wenn man es noch nicht einordnen kann, wenn die Fantasie durchdreht, wenn man gar nichts kapiert, wenn man bereit ist, aufzugeben, wenn man sich so lebendig fühlt… dieser Moment interessiert mich.

 

Frage: Wie ordnest du deine Kunst ein? Gibt es einen Zeitbezug? Wie steht deine Arbeit im Kontext zur heutigen Malerei/Kunst? 

Die heutige Kunst ist so heterogen, dass ich mir die Fragen, nach dem Zeitbezug nicht stelle. Ich kann als Künstler, als Mensch ja immer nur im Kontext meiner Zeit agieren. Was sich in meinen Arbeiten fast immer zeigt, ist eine Vielschichtigkeit, etwas collagenhaftes, fragmentarisches. Das ist schon meine Art unser immer schneller werdendes Leben zu reflektieren. Unser „Wissen“ wächst exponentiell, die Weisheit leider offensichtlich nicht. Meine Bilder stellen oft den Versuch eines Innehaltens dar. Manchmal sogar der Versuch eine absolute Stille zu erzeugen, die für mich der einzige Weg ist, nicht dem Wahnsinn und der Verzweiflung zu erliegen. Eine Stille voller Bewegung, voller Leben.

 

Frage: Wenn du nicht malen würdest, was würdest du tun? Was interessiert dich außerhalb der Malerei? 

Wenn ich nicht malen würde, würde ich zeichnen, musizieren, fotografieren, drucken, plastizieren, filmen, spielen, lesen, schreiben, kochen, gärtnern, handwerkeln, bewegen, tanzen, lachen, lieben, träumen, trinken, genießen, schauen, hören, riechen, fühlen, feiern… und mich darin üben, glücklich zu sein, um einmal zufrieden aus diesem Leben gehen zu können.

Die Liste ist bei weitem nicht vollständig, es gibt keine Rangfolge.

 

Frage: Nenne mir einen Grund mit der Malerei aufzuhören! Gäbe es einen Grund und wenn nicht, was macht die Malerei so „unabdingbar - so unaufhörlich “? 

Ich bin als Mensch auf diesem Planeten um mich als schöpferischer, kreativer Geist zu verwirklichen. Um die Welt zu gestalten. Malerei und Zeichnung sind dafür wunderbare Ausdrucksmittel. Ich genieße sie, sie sind jedoch nicht unabdingbar (siehe oben).

 

Frage: Wie bekommst Du den „Spagat“ zwischen eigener künstlerischer Arbeit und Vermittlung von Kunst in Form deiner Unterrichtstätigkeit hin? Gibt es eine gegenseitige Beeinflussung? 

Für mich ist das kein Spagat. Meine Lehre ist meine Kunst. Kann ich etwas beibringen? Ich weiß es nicht. Ich kann einen Raum schaffen, in dem Teilnehmer/innen eigene Erfahrungen machen können. Einen Raum, indem es möglich ist, dass unmöglich erscheinende zu wagen und sich selbst zu überraschen. Wenn ich ein bisschen von meiner eigenen Begeisterung teilen kann, macht mich das glücklich.

 

Frage: Wenn du selbst noch einmal Unterricht nehmen würdest, bei welchen bekannten Künstler/in würdest du studieren wollen? 

Ich würde mich bei einem Zen-Meister in die Kunst des Gartenbaus einweisen lassen.

 

 Link zu den Kursen von Sven Büngener