Interview Mit Georg Cevales, Dozent im arte fact

In unserer Reihe von Interviews mit Dozenten des arte fact befragen wir diesmal Georg Cevales nach seiner „künstlerischen Motivation“ . Nach seinem Malerei Studium an der Alanus Hochschule, zog es Ihn in die Bonner Altstadt. Eine wirklich gute Entscheidung! Den nun sind die Wege ins arte fact nicht weit. Neben seiner Arbeit in der Jugendkunstschule bietet er im nächstem Jahr experimentelle Seminare im Bereich Collage für Jugendliche und Erwachsene an. Wir wollen mehr über Ihn erfahren......

 

Frage: Was interessiert dich in der Malerei? Was sind deine Intentionen, Ideen und aus welchen Quellen schöpfst du deine Bilder?

 

Die Beschäftigung mit Malerei und Zeichnung ist meiner Meinung nach wichtig und erfüllend; es ist eine Sprache, die beim Sprechen entsteht und es ist eine sehr große Sprache mit langer Geschichte und unendlich vielen Möglichkeiten. Die visuelle Welt prägt unser Erleben, unsere Träume, Erinnerungen und sogar unsere Zukunftsvorstellungen sehr stark. Wenn man es sich überlegt, ist es deswegen ja eigentlich naheliegend, dass man sich auch mit der Ästhetik hinter den ganzen Bildern beschäftigen, forschen und damit arbeiten möchte. 

Die Natur ist schön, sie braucht uns aber nicht. Sie ist einfach da und oft auch gewaltig und “unmenschlich”. Die Kunst, speziell eben Malerei und Zeichnung, geht darüber hinaus und schlägt eine Brücke zu den Menschen. Kunstwerke sind Spuren, die uns immer weiter führen und uns zeigen, dass die Welt ein lebenswerter Ort ist. 

Mein persönlicher Ausgangspunkt ist meistens eher extrovertiert, von außen. Am Anfang beobachte oder finde ich etwas Interessantes, z.B. runde Kreisformen. Dann möchte ich mich mehr damit beschäftigen, sammle verschiedene Varianten, Formen und möchte die Entdeckungen schließlich zu etwas Eigenem machen. Meistens nehme ich mir dann vor eine neue Serie zu schaffen, weil ich denke, dass auch eine gewisse Kontinuität wichtig ist. Man produziert zwangsläufig Ausschuss, braucht Raum für Experimente und erst im Vergleich kann man dann die besonderen Qualitäten erkennen und eine eigene Spur weiterverfolgen. 

 

Frage: Wie ordnest du deine Kunst ein? Gibt es einen Zeitbezug? Wie steht deine Arbeit im Kontext zur heutigen Malerei/Kunst? 

Einen Zeitbezug sehe ich eigentlich nicht. Die Form meiner Bilder ist nicht so sehr “aktuell”. Ich mache überwiegend Malerei mit Aquarell oder Ölfarben und Zeichnungen mit Bleistift, Tusche oder Fineliner. Obwohl ich viel experimentiere, finde ich es wichtig materialtechnisch ordentlich zu arbeiten. Dass die Arbeiten auch nach vielen Jahrzehnten noch gut aussehen, sollte neben allem anderen immer auch der eigene Anspruch sein. Von außen betrachtet könnte man eventuell Zusammenhänge oder einen Kontext erkennen, dass ist mir aber irgendwie egal. Ich arbeite nicht mit Zitaten oder konzeptuell, sondern viel mehr aus eigenen Beobachtungen, Experimenten und ausgehend von gefundenen Qualitäten am konkreten Werk. 

 

Frage: Wenn du nicht malen würdest, was würdest du tun? Was interessiert dich außerhalb der Malerei? 

 

Malerei und Zeichnung finde ich sehr direkt, intuitiv, schnell und erfüllend. Daneben mache ich aber auch viele Fotos und Experimente mit der Kamera. Das geht für mich Hand in Hand und oft entsteht die Idee für eine neue Malerei-Serie sogar aus Beobachtungen, die ich vorher mit der Kamera gesammelt habe. Würde ich aber z.B. nicht sehen können, kann ich mir vorstellen, dass die Sprache, Worte und das Schreiben mir Ersatz werden könnten.
Meine Masterarbeit habe ich übrigens über ein Zentrum für Neue Musik geschrieben und als ich mich dann so immer weiter mit dieser Szene und mit ihren ganz speziellen Akteuren beschäftigte, fand ich auch sehr vieler Parallelen zur Malerei. Wie der Klang immer mehr in den Raum gekommen ist, die Autonomie der Töne, das Einbeziehen des Zuhörers… Ich höre privat sehr viel Schallplatten und liebe es einmal im Monat auf dem Flohmarkt zu stöbern, wo ich leider auch regelmäßig viel zu viel Geld ausgebe. 

 

Frage: Nenne mir einen Grund mit der Malerei aufzuhören! Gäbe es einen Grund und wenn nicht, was macht die Malerei so „unabdingbar - so unaufhörlich “? 

 

Es wäre einfach schade nicht zu malen. Das Ende der Welt wäre es vielleicht nicht gleich, weil viele der Rituale rund um die Malerei sind auch nur leere Show. Manchmal wirkt das ganze Aufheben um die Kunst sogar ziemlich ‘snobbish’, Vergangenheitsbezogen oder gar am wirklichen Leben vorbei. Man denkt sich dann, die Welt hat so viele dringende Probleme… Tatsächlich ist es meiner Meinung nach aber so, dass die Kunst allem Geschehen Menschlichkeit geben kann. Dieser Bezug zwischen der Welt und den Menschen wäre sonst gar nicht richtig da. Das was geschieht, Eindrücke, Gefühle, Träume und Wünsche, die Welt und wir - es ist doch eigentlich ungeheuerlich und überhaupt nicht zu fassen. Erst durch eine reiche, vielseitige Kunstszene können da Brücken wachsen. Jede Arbeit ist für sich wie ein Schlüssel und eine Tür in die Welt.
Ich denke, dass wir durch die Kunst als Menschen einen großen Schatz haben und es ist doch nur natürlich, dass man diesen bewahren und immer weiter ausbauen sollte. Jedes Werk ist wie ein bestimmter Begriff, der uns hilft zu verstehen. Um die Gegenwart zu begreifen, brauchen wir dann auch entsprechend aktuelle Begriffe und immer weiter aktuelle, neue Bilder. 

 

Frage: Wie bekommst Du den „Spagat“ zwischen eigener künstlerischer Arbeit und Vermittlung von Kunst in Form deiner Unterrichtstätigkeit hin? Gibt es eine gegenseitige Beeinflussung? 

 

Dieser “Spagat” gelingt eigentlich ganz gut, also ich sehe da keinen Konflikt, sondern trenne das.
In meinen Kursen, als Dozent, ist das Vorgehen eher technisch. D.h. ich glaube, dass die Teilnehmer schon selber Künstler sind und mich für den Schaffensprozess nicht brauchen. So sehe ich mich eher als jemand, der den Raum und einen Anlass gibt. Ich gebe oft ein Thema vor und erkläre die Techniken und Vorgehensweisen, dann versuche ich aber erst mal einfach zu beobachten was geschieht. 

Erwachsene sehe ich eher als Kollegen, als autonome Künstler. Da geht es dann meiner Meinung nach nicht darum was ich machen würde, sondern es ist eher wichtig das zu optimieren, was bereits da ist. Ich hoffe, soweit ich das schaffe, durch die Kurse Mut zu machen einen bestimmten eigenen Weg weiterzugehen.
Kinder und Jugendliche sind sehr experimentierfreudig und offen für neue Techniken, für Tricks und auch für ganz konkrete Themen. Aber auch dort gebe ich eher nur den ersten Impuls und lasse dann einfach geschehen. Ich kann mich selber ganz gut erinnern, wie ich z.B. im Kindergarten gemalt habe. Autos, Maulwürfe… Für mich waren diese Bilder in dem Moment dann die ganze Welt. Solche Momente wünsche ich mir für meine Kurse und da würde ich mich nicht trauen diesen Zauber, der entstehen kann, durch meine eigenen künstlerischen Ideen kaputt zu machen. 

Ich probiere alle Techniken vorher selber aus und durch diese große Bandbreite an Experimenten und vorab Versuchen lerne ich parallel auch immer wieder etwas Neues kennen und erlebe auch oft Überraschungen, die mich sehr inspirieren. 

 

Frage: Wenn du selber noch einmal Unterricht nehmen würdest, bei welchen bekannten Künstler/Inn würdest du studieren wollen? 

 

Es ist natürlich schwer zu sagen, wie die menschlich so unterwegs waren. Viele bekannte Künstler waren vielleicht nicht gerade sehr umgängliche Zeitgenossen oder lausige Lehrer. Aber ich bewundere sehr z.B. Paul Klee oder überhaupt alle Pioniere, die in der Zeit der “Belle Époque” um die Jahrhundertwende den Weg in die Abstraktion gegangen sind. Hilma af Klint, eine Schwedische Malerin, habe ich z.B. erst gerade neu entdeckt, bin absolut begeistert und hätte gerne etwas von ihr gelernt. Von den zeitgenössischen Malern finde ich Gerhard Richter großartig, weil er immer wieder etwas ganz Neues gemacht hat und alles immer wieder richtig gut wurde. Mein letztes Wow-Erlebnis mit Malerei war das “Wunderbild” von Katharina Grosse: Die größte Leinwand, die ich je gesehen habe, die in sich schlüssig und von der Komposition toll gegriffen ist. 

Zur Homepage: www.cevales.com

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