Interview mit den Künstlern und Dozenten Simone Albert und Tobias Stutz

Die neuen Dozenten des arte fact Bonn stellen sich vor

S.A.: Zuerst einmal ist Malerei für mich eine Auseinandersetzung mit meiner Seherfahrung. Das kann was ganz einfaches sein, wie zum Beispiel eine Spiegelung oder ein Licht. In dem Augenblick der malerischen Umsetzung, versuche ich dieser Seherfahrung sehr nahe zu kommen und nachzuempfinden. Spannend ist zu begreifen, was das Auge kann, wie Beobachtung funktioniert. Dabei mache ich immer wieder die Erfahrung wie der Blick zwischen Unschärfe und Scharfstellung mit den Gegenständen spielt. Diese unterschiedliche Weise der Seherfahrung versuche ich in meiner Malerei zu erforschen und wiederzugeben.

T.E.: Eure Kunst entspringt im ersten Augenblick einer sehr realistischen Vorstellung von Welt. Wo findet Ihr Eure Motive?

S.A.: Hauptsächlich in der Natur. Ich bin viel mit meiner Kamera unterwegs und versuche die sehr verschiedenen Naturerscheinungen einzufangen. Das bedarf einer großen Wachheit für Stimmungen und Atmosphären. Ein Motiv „stimmt" für mich erst dann, wenn das äußere Bild dem inneren Bild entspricht.

T.S.: Bei mir ist es weniger die Natur, als mehr die Architektur. Je nach Thema stöbere ich in unterschiedlichen Quellen. Prinzipiell ist es mir eigentlich einerlei woher die Motive stammen,- ob aus Zeitschriften, Büchern, Internet oder eigenem Fundus. Durch die intensive Auseinandersetzung mit einem Motiv wird dieses in jedem Fall zu etwas Eigenem. Einige wiederkehrende Motive und Ideen sind bereits auch interniert.

T.E.: Gibt es einen Verweis auf künstlerische oder auch philosophische Vorbilder, Stilrichtungen? Was regt euch in der Kunstgeschichte oder in der zeitgenössischen Kunst an?

T.S.: Häufig stellen meine Bildthemen Bezüge zur Kunstgeschichte dar. Die Strahlkraft der Bauhausära beispielsweise – ästhetisch wie philosophisch – stellt für mich aufgrund ihrer puristischen Klarheit eine große Faszination dar. Oft werden auch einfache Alltagssituationen zu Bildmotiven, die eine Geschichte erzählen, bzw. zum Zitat oder zu einer Hommage an einen Künstler. In der aktuellen Kunst beeinflussen mich einige Leipziger Maler wie etwa Mathias Weischer oder Ulf Puder.

S.A.: Die Auseinandersetzung mit dem Impressionismus prägt meine Arbeitsweise als Malerin. Dieser forschende und unmittelbare Blick auf die Erscheinungen und Phänomene von Licht, Schatten und den vielschichtigen Nuancen die sich dazwischen ergeben. Im Impressionismus steht mehr das „sich beeindrucken lassen" im Vordergrund als das „sich ausdrücken wollen". Meine Malerei lebt von diesem unmittelbaren Eindruck, den die Erscheinungen der Natur auf mich macht.

T.E.: Wie geht Ihr an Euren Arbeitsprozess heran? Wie geht Ihr vor? Mit welchen Materialien, Techniken und Methoden arbeitet Ihr?

T.S.: Am Anfang steht die Idee, die noch nach einer konkreten Vorlage sucht. Zumeist findet sich dann eine Abbildung, manchmal finden mehrere Abbildungen Verwendung und werden während des Arbeitens zu einem Bild zusammengesetzt. Oft male ich seriell, meine Themen tauchen meist rezidivierend auf. Ich male vor allem mit Ölfarben auf Leinwand. Dabei verwende ich neben Pinsel auch Rakel und Crepband als Hilfsmittel für saubere Flächen und scharfe Kanten oder gerade Linien.

S.A.: Wie schon gesagt, stehen die Aufnahmen die ich mit meiner Kamera gemacht habe als Motivvorlagen für meine Malerei zur Verfügung. Dabei arbeite ich ohne Projektionstechnik. Die sehr differenzierten Farbverläufe in meiner Malerei verlangen nach einer Technik, die mir Zeit und Raum gibt. Die Ölfarbe ist die optimalste Maltechnik. Ich fange mit einem „trockenen" Farbauftrag an. Dadurch, dass die Ölfarbe lange geschmeidig ist, kann ich die Farbe entsprechend modellieren. Ein sehr langwieriger Prozess, der mir aber dadurch vieles von dem was ich im ersten Augenblick noch nicht gesehen habe, im Laufe des Malens sichtbar macht.

T.E.: Was ist Euch wichtig in der Vermittlung von Kunst? Worauf kommt es bei Euch an?

S.A.: Zu aller erst sollten die Teilnehmer technische Grundlagen für das Sehen und für die Gestaltung des Gesehenen, eben der Zeichnung und Malerei, erlernen, denn Technik ist mehr als nur bloßes Handwerk. In diesem ständigen Üben der Technik begreift man die Logik und den Sinn der Dinge und meistens erfährt man dabei auch vieles über sich selbst. Für mich als Lehrende will ich außerdem ein Interesse für die Natur der Dinge erzeugen. Ich möchte die unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen der Teilnehmer erkennen, um sie dann auch individuell fördern zu können. Schlussendlich ist es auch für uns Dozenten wichtig von den Teilnehmern zu lernen. Das heißt, einen offenen Lern-Raum zu schaffen, in dem über gemeinsame Kolloquien und Betrachtungen ein kreativer Austausch von Ideen, Motive und Inhalte entsteht.

T.S.: Kunst soll begeistern und infizieren! Uns ist wichtig, dass bei den Teilnehmenden auch neue Sichtweisen angeregt werden und ungewohntes ausprobiert wird. Bei der Überlegung von Bildthemen, den Inhalten und der Umsetzung wollen wir vor allem individuell auf Fragen eingehen und beim Findungsprozess unterstützend begleiten. Auge und Hand sollen bei der Motivsuche und der künstlerischen Interpretation erprobt und sensibilisiert werden. Wir geben Hilfestellungen bei Entscheidungsprozessen im Bild und wollen die Reflexionsfähigkeit hinsichtlich der eigenen Themenwahl schärfen.

T.E.: Was werdet Ihr konkret in Eurem Seminar vermitteln? Inhalt? Techniken? Materialien?

T.S.: In unserem Seminar steht die Suche nach dem Motiv im Vordergrund. Wir suchen im Archiv, aber auch draußen in der Stadt und in der Natur. Gefundenes nehmen wir mit ins Atelier und arbeiten damit. Wie übertrage ich die Idee auf die Leinwand/Papier? Welche Techniken bieten sich an? In erster Linie geht es hierbei um malerische und zeichnerische Techniken. Ausführliche Materialkunden und Empfehlungen aus unserer täglichen Praxis wird es je nach Bedarf ebenfalls geben.

S.A.: Wir werden mit verschiedensten Materialien zeichnen. Dabei steht das Skizzieren immer wieder im Vordergrund. In der Malerei arbeiten wir mit Acryl- und Ölfarben. Dabei werden wir ganz auf Terpentine verzichten. Die dann noch feuchten Ölbilder können im arte fact zum trocknen bis zur nächsten Kurseinheit verbleiben.

T.E.: Nennt mir einen Grund, euer Seminar nicht zu belegen! Was wird man definitiv bei euch nicht lernen?

S.A.: Bestimmte Grenzen in der Motivwahl und damit auch in der Bestimmung abstrakt oder gegenständlich zu malen gibt es nicht. Was wir definitiv nicht machen, ist Farbfeldmalerei oder auch Malerei, die nur aus dem Bauch heraus entwickelt wird. Ein konkretes Motiv wird immer der Ausgangspunkt der Zeichnung und Malerei sein.

T.S.: Was wir auch nicht vermitteln sind Collage oder Mischtechniken mit verschiedensten Materialien.
Falls jemand vor hat, das eigene Rennpferd detailgetreu zu porträtieren, muss er damit rechnen, dass das Pferd auch mal als Studienobjekt vor Ort im Atelier erscheinen muss.

T.E.: Dann doch lieber zum Motivstudium eine Exkursion in der Pferdestall machen!? Ich danke Euch für das anregende Gespräch.

Simone Albert und Tobias Stutz bieten ab 31. Januar einen wöchentlichen Kurs zum Thema „Ich suche nicht, ich finde" an. Weitere Informationen und Anmeldungsbedingungen erfahren Sie unter www.artefact-bonn.de
› Mehr Impressionen finden Sie in der Galerie

Informationen über beide Künstler

› Simone: www.sonja-simone-albert.de
› Tobias www.tobiasstutz.de

 

Simone Albert und Tobias Stutz