Entspannt Euch

Ein Beitrag von Volker Altrichter

Alles, was schief gehen kann, wird schief gehen –

und das im ungünstigsten Moment.“

Finagles Gesetz

Große Aufregung über alles und jedes gab es immer. Ob berechtigt oder nicht, gerade kommt sie noch größer und noch lauter daher.

Aus allen Kanälen wogt die Empörung.

Da beschleicht einen der Verdacht, dass viele Mitmenschen sich erst dann richtig lebendig fühlen, wenn sie alle anderen von ihrem Unmut in Kenntnis gesetzt haben.

Wer stattdessen einen ruhigen Geist pflegt, steht schnell im Verdacht ein gleichgültiger Misanthrop oder ein resignierter Zeitgenosse zu sein.

Weit gefehlt.

Stress und Gelassenheit in der künstlerischen Arbeit

Wie ist das eigentlich mit der künstlerischen Arbeit? Ist es möglich, in Zeiten allgemeiner Verunsicherung und Verspannung, noch kreativ zu sein?

Es kommt wie immer auf die persönliche Einstellung und Sichtweise an. Hat man sich angewöhnt den kreativen Prozess als besonderen Kraftakt, als außerordentliche Großtat zu betrachten, wird man es noch schwerer haben, neben all den gegenwärtigen Irritationen ein „Werk“ zu schaffen.

Ist man dagegen in der Lage ohne große Erwartung still vor sich hin zu zeichnen oder zu malen, kann sich große Zufriedenheit einstellen.

Bei der künstlerischen Arbeit gewinnen wir im besten Sinne Distanz zu unseren Gedanken. Wer sich ganz und gar auf eine Sache konzentriert, wird kaum in der Lage sein gleichzeitig zu denken. Und hört das Denken auf, das wissen wir alle, stellt sich Wohlbefinden und Entspannung ein.

Der Terror des Inneren Kritikers

Man kann es Flow oder Selbstvergessenheit nennen. Auf jeden Fall ist es wenig sinnvoll bei jeder kleinen Zeichnung dem ärgerlichen und selbsterzeugten Bewertungszwang Raum zu lassen:

„Ist das peinlich was ich hier zeichne?“
“ Gefällt das jemandem?“
“ Kann ich überhaupt etwas?“
„Ich bin ja doch unbegabt!“
“ Alle anderen können das besser!“
Oder noch schlimmer: „kauft das jemand?“.

Dieses eingeübte Gedankengeplapper wird Sie mit Sicherheit immer weiter von einem entspannten künstlerischen Tun entfernen und künstlerische Prozesse erschweren.

Dabei lösen sich gerade bei der entspannten Arbeit unangenehme Empfindungen und Gedanken auf und eröffnen eine unendliche Weite an Möglichkeiten.

Ich empfehle in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Zeichnung, weil sie jederzeit machbar und nicht so fordernd wie eine teure großformatige Leinwand oder ein wertvoller Marmorblock ist.

Auf jedem Zeichenpapier ist Raum für feine Empfindungen. Sie könnten sich Ihr eigenes „Mandala“ entwerfen und Form für Form sensibel kolorieren. Ich garantiere Ihnen, die Gedanken werden leiser, der Stress weniger und ihr schöpferisches Potential wächst.

In diesem Sinne.

 

Volker Altrichter

 

Volker Altrichter, Künstler und Dozent

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