Künstlerische Transformation

Künstlerische Transformation - ein Beitrag von Thomas Egelkamp

Ein gutes Bild ist oft wie ein vielschichtiges Segment, eine Überlagerung unzähliger Formen und Farben, verdichtet zu einem Konglomerat aus unterschiedlichen Ereignissen und Motiven. Es zeigt sich dem Betrachter beim ersten Hinschauen verborgen. Erst mit der Zeit des geduldigen Betrachtens und Befragens deutet sich die Vielschichtigkeit des ganzen Arbeitsprozesses an. Den Inhalten eines Bildes auf die Spur zu kommen verlangt vom Rezipienten die Fähigkeit zur Transformation. Eine Betrachtung von Thomas Egelkamp.

„Jedes Kunstwerk ist ein Augenblick; jedes gelungene ein Einstand, momentanes Innehalten des Prozesses, als der es dem beharrlichen Auge sich offenbart. Sind die Kunstwerke Antworten auf Ihre eigene Frage, so werden sie dadurch selber erst recht zu Fragen.“

                                                                                                   Adorno in Ästhetischer Theorie

Der künstlerische Prozess besteht in der Regel aus transformativen Gestaltungsschritten. So wird beim Erarbeiten eines Kunstwerkes selten eine bildnerische Idee „Eins zu Eins“ auf den Bildträger oder auf das Material übertragen, sondern immer wieder aus dem Prozess heraus hinterfragt und neu bestimmt. So wie der Künstler sich dem offenen Prozess des Gestaltens hingibt, verlangt das Kunstwerk vom Betrachter oder Zuhörer ebenfalls die Bereitschaft nicht sofort alles erfassen und verstehen zu wollen, sondern sich einzulassen auf das Unbekannte, oft unerklärliche was sich Ihm zeigt. Das „Unsichtbare sichtbar machen“ verlangt vom Rezipienten die Fähigkeit hinter dem Werk, den Prozess des Künstlers zu entdecken. Um ein Kunstwerk verstehen zu können, benötigt es forschende Blicke und Fragen, die möglichst keine fertigen Antworten verlangen, sondern neue Perspektiven und weitere Fragen aufwerfen.

Die Planung und Gestaltung eines Kunstwerkes unterliegt einer rollierenden, sich immer wieder veränderbaren Gesetzmäßigkeit. So entsteht ein Bild oder eine Skulptur selten aus einem Guss heraus. Ein ständiges umformen, neu finden, um es im nächsten Schritt wieder zu verwerfen, bestimmt zumeist den künstlerischen Arbeitsprozess. Für den Maler Per Kirkeby zeigt sich die wahre Qualität des Malens erst dann, wenn sich „das Bild selbst malt“, im Sinne einer Selbstschöpfung. Der Künstler geht in dem Prozess der ständigen Transformation auf, indem er seine bildnerischen Strategien immer wieder umwirft und neu erfindet, solange bis sich das Bild wie von selbst malt. Auf die Frage: „Wie bist Du zu diesem Bild gekommen?“ steht die Aufforderung: „Frage das Bild doch selbst!“

In der Kunst kommt Transformation dem griechischen Begriff der Metamorphose sehr nahe. Er bedeutet Verwandeln aus dem Prozess heraus  „Work in Progress“. Jeder Prozessschritt fordert den nächsten Schritt heraus. Aber nicht im Sinne eines additiven und vorhersehbaren Handelns, sondern als ein offenes und spielerisches Vorgehen. Entscheidend für das Gelingen eines Transformationsprozesses ist dabei die erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration beim Gestalten sowie die Bereitschaft situativ und intuitiv aus der Sache heraus zu reagieren und gegebenfalls das Vorgehen zu verändern.

Kann ich transformative Prozesse in der Kunst üben? Wie kann ich mich in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit im Gestaltungsprozess versetzen? Gibt es Spielregeln in der künstlerischen Transformation?

Transformatives Gestalten bedarf einer Reihe von Techniken, die aus der Improvisation, dem Spiel und dem Experiment, entstammen. Dabei sind Themen wie Variation, Komposition und Rhythmus von besonderer Bedeutung. Wann entscheide ich mich für eine Veränderung im Werk? Wie erkenne ich aus dem Prozess heraus den nächsten Arbeitsschritt? Wie entwickle ich mein eigenes, authentisches Vorgehen und damit meine eigene künstlerische Intension und Bildsprache?

Die Kompaktseminare „Bildnerische Transformationen“ im Frühjahr und Herbst 2018 werden zu den oben genannten Fragen Gestaltungsansätze und Übungen anbieten. Weitere Informationen erfahren Sie zu den jeweiligen Seminaren unter.......

Der Vortrag „Transformation – das Spiel des ständigen Hinterfragens“ gibt einen Einblick in die Bedeutung transformativen Handelns in der Kunst und in der Gesellschaft. Termin 6.10.2018 im arte fact.

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